Baudokumentation

Die Bestrebungen zur Erhaltung und Nutzbarmachung der Puchberger Ruine haben mehrere Jahre beansprucht, da diese Arbeit mit äußerster Sorgfalt erledigt werden musste. Die Burgruine wurde in den Jahren 2001 und 2003 fotogrammetrisch vermessen, um eine der modernsten Dokumentationen der Bausubstanz zu erhalten, welche wiederum als Basis für die folgenden Sicherungsmaßnahmen diente. Um zu verstehen, wie sie einst ausgesehen hat, war es nötig, das noch Vorhandene so umfangreich wie möglich zu erforschen und so genau wie möglich festzuhalten. Unsere oberste Maxime liegt in der Konservierung des bestehenden Mauerwerks, um das noch Bestehende mit minimalsten Eingriffen längerfristig zu erhalten. Wobei es keine Sanierung für die Ewigkeit gibt, nur die dauerhafte Pflege ist ein wirklicher Garant für das Gelingen dieses Projektes.

Bestandsaufnahme und begleitende Maßnahmen

Am 24. November 2001 wurde mit der photogrammetrischen Vermessung der Burgruine Puchberg begonnen. Bei dieser Methode werden digitale Bilder mittels Software entzerrt und als Hintergrund bei einer CAD-Skizze verwendet. Die dadurch entstehende Überlagerung von Zeichnung und Bild lassen so eine gesteinsgerechte Dokumentation zu. Neben der Aufnahme und Kartierung der Schäden erfolgte auch eine Analyse der Schadensursache, um diesen wirksam entgegentreten zu können.

Im Zuge der Vermessungsarbeiten kamen immer wieder diverse Hölzer (Balken und Rüsthölzer) oder andere Gegenstände, wie z.B. ein Teil einer Granate aus dem 2. Weltkrieg, zum Vorschein. Die Hölzer wurden von Ronald Woldron auf der Universität für Bodenkultur dendrochronologisch untersucht. Diese Untersuchung ermöglicht eine genaue Bestimmung ihres Alters und kann somit Aufschluss über einzelne Baufasen geben. Geschoßbalken des Turmes datieren auf das Winterhalbjahr 1592/93. Ein weiterer Balken in der Ostmauer stammt aus dem Jahr 1674. Demnach sind diese Hölzer nicht mehr der primären Bauphase zuzurechnen, sondern stammen aus einem später erfolgten Umbau der Anlage.

Im Mai 2002 starteten die Vorarbeiten im gesamten Außenbereich der Burgruine die von Vereinsmitglieder und freiwilligen Helfern erledigt wurden. In diesem Zusammenhang wurden alle Bäume und Sträucher an der Süd- und Ostseite der Burgruine entfernt, um wieder einen ungehinderten Blick auf die Mauern zu erhalten.

Parallel zu den Arbeiten im Außenbereich wurden auch die Mauerkronen und der Innenhof von Bäumen und Sträuchern befreit, um die Basis für die beginnenden Mauerarbeiten zu erhalten. Dafür wurden entsprechende Steindepots angelegt und erforderliche Baumaterialien herangeschafft, die zum Teil von Puchbergern gespendet wurden.

Bauphasen

2002

Die ersten Sicherungsarbeiten wurden an der Ostmauer vorgenommen. Der extrem schlechte Zustand des Mauerwerks machte dabei aus statischen Gründen die Rekonstruktion einzelner Mauerteile erforderlich. Basis für diese Rekonstruktion waren alte Ansichten und Fotografien, die eindeutig darüber Auskunft geben, wie z.B. bereits nicht mehr vorhandene Fenster ausgesehen haben. Anhand noch bestehender und beinahe vollständig erhaltener Fenster in der Südmauer, wurden fehlende Teile rekonstruiert. Bei allen Sanierungsarbeiten wurde äußerster Wert darauf gelegt, dass die dafür verwendeten Materialien entsprechen. So kam beispielsweise eine Mörtelkombination aus Sand, Sumpfkalk und Trass zum Einsatz.

Ostmauer Innen

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Neben den umfangreichen Arbeiten an der Ringmauer sollte auch der Bergfried entsprechend gesichert und teilweise wieder begehbar gemacht werden. Für den Einzug der einzelnen Geschoßdecken wurden zum Teil handbehauene Balken verwendet, die von Bauern aus Puchberg gespendet wurden. Als Balkenauflagen dienen die Originalbalkenlöcher aus dem 13. Jahrhundert.

Bevor der Turm wieder mit einem Dach versehen werden konnte, mußte auch dessen Mauerkrone von jeglichem Bewuchs befreit werden. Zudem war es erforderlich, mehrere Kubikmeter Erdmaterial händisch abzugraben und zusätzlich auf Fundmaterial zu sichten, um wieder zum Originalbestand des Mauerwerks zu gelangen. In diesem Zusammenhang kam eine Vielzahl von geschmiedeten Nägeln, mehrere verkohlte Balkenreste, einige Keramikscherben, Tierknochen und eine steinerne Geschoßkugel zum Vorschein. Die spätere Dachkonstruktion wurde so angelegt, dass alle Baubefunde noch einsehbar sind, d.h. sie liegt zwischen 50 und 100cm über dem Originalniveau.

Parallel zu den Arbeiten an der Ostmauer war es ebenfalls unabdingbar, bereits in der ersten Bauphase den Torbereich zu sichern. Der Ausbruch, unmittelbar am noch erhaltenen Torbalken gemessen, erreichte eine Tiefe von etwa 160cm und zog sich halbkreisförmig über die Länge des gesamten Tores. Nach dem Abriss eines Sicherungsprovisoriums aus den 1970er Jahren, wurde versucht, anhand der noch vorhandenen Negativabdrücke der ursprünglichen Holzkonstruktion im Mörtel, diese wieder herzustellen. Für den neuen Lärchenholzbalken wurden die noch vorhandenen Originalauflagen verwendet. Ein Tuffsteinsegment an der Außenseite und Reste an den Laibungen der Innenseite ließen auf ein durchgängiges Segment aus Tuffstein schließen. Entsprechendes Material fand sich in der nähern Umgebung Puchbergs. Die gesamte Mauer wurde bis auf die Höhe einer noch deutlich erkennbaren Lage auf etwa 2,5m hochgezogen. Die Sicherung der Mauerkrone erfolgte separat in der folgenden Bauphase.

Torbereich

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2003

Zuerst wurde der Bergfried wieder mit einer Eingangstür versehen. Die teilweise erhaltenen Negativabdrücke des ehemaligen Türstockes zeugten aufgrund von unterschiedlichen Mörtelfarben und zusätzlichen Abduckspuren, dass der ursprüngliche Stock schon einmal durch einen jüngeren ersetzt worden war. Das 190cm hohe und 130cm breite Türblatt besteht aus 3,5cm starken Lärchenpfosten. Den Abschuss bildet ein freiliegendes, handgeschmiedetes Kastenschloss an der Innenseite der Tür.

Weiters wurde in 15 Arbeitstagen die gesamte Innenseite der Südmauer mit Ausnahme der Mauerkronen saniert. In die teilweise noch vorhandenen Ausnehmungen für hölzerne Fensterbretter wurden neue Bretter eingesetzt. Zwei nicht mehr vorhandene Fensterstöcke in der Mitte der Südmauer wurden neu angefertigt. Die hier eingesetzten Stöcke lehnen sich in ihrer Konstruktion an die noch vorhandenen Fensterstöcke an. Der vertikale Versatz und die Größe der noch fast zur Gänze erhaltenen unteren Öffnung ließ den Schluss zu, dass es sich dabei um Zugänge für zwei vorhandene Geschosse des ehemaligen Getreidespeichers handeln könnte.

Südmauer Innen

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Nachher

In einem 24tägigen Arbeitsblock wurde die gesamte Südaußenseite der Burgruine gesichert und teilweise wiederhergestellt. Besonderes Augenmerk wurde hier auf eine korrekte Verfugung des Mauerwerks gelegt, welche den originalen Putz- und Fugenmörtel immer noch deutlich erkennen lässt.

Schließlich wurde in 11 Tagen ein Abschnitt der Westmauer einschließlich der Mauerkrone saniert. Die Mauerkrone wurde auch hier zuvor von losem Gestein und jeglichem Pflanzenbewuchs befreit. Das mittlerweile verkleinerte Tor erhielt einen rekonstruierten Dreiecksturz aus Tuffstein, um wieder die nötige Stabilität zu erhalten.

2004

In einer insgesamt fünfwöchigen Arbeitskampagne wurden die gesamte Westmauer nördlich des Bergfrieds und der Innenbereich der Nordmauer saniert. Die gesamte Mauerkrone wurde dazu von der alten Betonabdeckung befreit und komplett gesäubert, loses Steinmaterial abgehoben und wieder neu vermauert. Zudem wurde an gefährdeten Stellen eine etwa 10 bis 20cm hohe Verschleißschicht auf die Mauerkrone aufgebracht. Nach der Verfestigung der Mauerkronen wurden die Fugen ausgekratzt und der gesamte Eingangsbereich neu verfugt. Die von Erdreich und Beton befreiten Mauerkronen an der Innenseite der West- und der Nordmauer ließen den darunter verborgenen Wehrgang auf uns kommen und machten es möglich, diesen wieder zu rekonstruieren. Das zweite Obergeschoss des Bergfrieds wurde ebenfalls weiter ausgebaut. An seiner Nordseite konnten unter der Betonabdeckung des Jahres 1999, die Reste dreier Stufen freigelegt werden. Erhaltene Negativabdrücke im Mörtel zeugten von einem hölzernen Auftritt. Zudem wurde in die bestehenden Negativabdrücke eines Türstockes wieder ein Stock samt Tür eingesetzt.

Mit einem weiteren Aufwand von vier Arbeitswochen wurde die Ostmauer weitgehend fertig gestellt. In deren Außenbereich erfolgte eine Neuverfugung des Mauerwerks. Im Innenbereich wurde an der aus Bauphase 1 bereits bestehenden Ausgleichslage weiter gearbeitet. Die gesamte Mauerkrone wurde von Beton, Bewuchs und Erdreich befreit und wieder auf das Originalniveau aufgesetzt, dazu musste vorher die Mauerschale samt ihrer Verfüllung zum Teil bis zu einem Meter abgetragen werden, um zu einem stabilen Mauerwerk zu gelangen.

2005

In einer internen Rekordzeit von nur sieben Arbeitstagen war es gelungen, die gesamte Mauerkrone der Südmauer zu sanieren. Dazu wurde die gesamte Betonabdeckung aus den 1950iger Jahren abgehoben, loses Steinmaterial entfernt und die bestehende Mauerkrone teilweise bis zu einem Meter abgetragen. Im Anschluss daran erfolgte die Wiederaufmauerung samt einer zusätzlichen Verschleißschicht. Wichtig war dabei im Gegensatz zur vorher vorhandenen Betonabdeckung, dass eine entsprechende "Steinsichtigkeit" realisiert wurde, um dem gesicherten Mauerwerk seinen ruinenhaften Charakter zu bewahren.

Einen der aufwendigsten Arbeitseinsätze stellte die Sanierung der Nordmauer dar, mit welcher bereits 2004 begonnen wurde. Nachdem an einigen Stellen noch das original Wehrgangniveau erhalten war und zudem alle einst dafür verwendeten Balkenlöcher eruiert werden konnten - in einigen fanden sich noch Reste von vermodertem Holz - wurde der Entschluss gefasst, den Wehrgang wieder herzustellen. Dies sollte es ermöglichen, der Ruine einen zusätzlichen touristischen Anreiz zu geben. Der Wehrgang aus Lärchenholz wurde von der Zimmerei Pichler aus Puchberg angefertigt. Äußerster Wert lag auf einer Konstruktion, welche sich einerseits an erhaltenen, spätmittelalterlichen Originalen orientierte und andererseits den heutigen baubehördlichen Auflagen entsprach. Zudem wurde an der Nordmauer ein Unterstand an einer Stelle errichtet, an welcher zwei Balkenlöcher in der Mauerschale vorhanden waren. In diesem Unterstand sind nunmehr eine Schmiede und ein Backofen untergebracht.

Nordmauer Innen

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2006

Mit den Sanierungs- und Sicherungsarbeiten an der Westmauer waren die wichtigsten Arbeiten am Mauerwerk vorerst abgeschlossen. Die mittlerweile gewonnenen Erfahrungen in Bezug auf die Mauerkronen hatten dazu geführt, dass der Abschluss der Mauerkrone im Bereich der Westmauer noch einmal überarbeitet wurde. Eine entsprechende Verschleißschicht wurde aufgesetzt und auf die Steinsichtigkeit des Abbruches besonderer Wert gelegt. In weiterer Folge wurde die Giebelmauer durch kleinere Ausbesserungsarbeiten und eine Neuverfugung an den ausgewaschenen Stellen im Bereich der oberen Mauerkrone gesichert.

Westmauer Innen

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Nachher

Aufgrund der vorhandenen Befunde im zweiten Obergeschoß des Bergfrieds wurde die Rekonstruktion eines Mantelkamins gewagt. Die noch deutlich sichtbaren Spuren des ausgebrochenen Kamins bildeten die Grundlage für diese Arbeit. Die Rekonstruktion selbst erfolge anhand eines noch erhaltenen Kamins im Bergfried der Burgruine Thernberg/NÖ.

Mit dem ersten Schnee, wurde Anfang November von der Zimmerei Pichler aus Puchberg das neue Tor aus massivem Lärchenholz geliefert. Es löste die bereits etwas in Mitleidenschaft gezogene Konstruktion aus den 1970er Jahren ab.

2008

Im Zuge von regelmäßigen Inspektionen wurde festgestellt, dass bei intensiven Regenfällen ein massives Eindringen von Sickerwasser stattfand und schließlich über dem Einganstor wieder austrat. Dieser Wassereintritt war primär auf Risse im Bereich der Schildmauer zurückzuführen, welche zwar oberflächlich versiegelt wurden, jedoch im tiefer liegenden Mauerwerk weiterhin vorhanden sind. Dieser ständige Wassereintritt würde letztendlich zu einer Schädigung der hölzernen Überlager führen, was wiederum den gesamten Eingangsbereich gefährden würde.

Als zweckmäßige Sicherungsmaßnahme wurde beschlossen, diesen exponierten Bereich des Wehrganges mit einer Überdachung auszustatten. Diese sollte zumindest einen Großteil des anfallenden Regenwassers von der Mauerkrone abhalten. Seitens der Zimmerei Pichler aus Puchberg wurde die von der Markt- und Kurgemeinde Puchberg mit € 5.000,- subventionierte Arbeit ausgeführt, wobei erhaltene Holzkonstruktionen von Wehrgängen aus dem späten Mittelalter als Basis für die Umsetzung dienten.

Wehrgang von Außen
2017

Elf Jahre nach den aufwendigen Sanierungsarbeiten an der Mauersubstanz der Burgruine wurde der letzte, bislang unberührte Abschnitt der Ringmauer in Angriff genommen. Die Außenseite der Westmauer im Bereich der angrenzenden Schule erhielt in einem zehntägigen Arbeitseinsatz eine partielle Neuverfugung des Mauerwerks. Hier gelangte erstmals ein neuer Mörtel zum Einsatz – eine speziell für den Denkmalschutz entwickelte Fertigmischung aus Kalk, Trass und Sand. Im Zuge der Arbeiten kam noch eine kleine Besonderheit zum Vorschein, denn in einer mittlerweile vermauerten Fensteröffnungen fand sich ein hölzernes Überlager. Leider besitzt das Stück Holz keine Waldkante mehr aber dennoch gelang aufgrund der vielen Jahrringe eine Datierung auf das Jahr 1595, wodurch ein neuer Hinweis auf die Entstehung dieses oberen Bereiches der Westmauer vorhanden ist.

Impressum


Burgverein Puchberg
ZVR-Zahl 551450767
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