Schwert aus der 2. Hälfte des 14. Jhdt. (Privatbesitz: A. Bichler)

Gefäß Eisen
Birnenknauf achtseitig

Klinge linsenförmig
Parierstange  quadr. Querschnitt
Fundort unbekannt

Daten:
Gesamtlänge: 98 cm
Gewicht:      ca 1200 g
Klingenlänge: 78 cm
Klingenbreite (Angel): 47 mm
Parierstange: 237 mm

 

 


Bild 1 (Schwert um 1150)


Bild 2 (Schwert um 1250)

 

Detailansicht: Knauf, Parierstange und Angel

Im Früh- und im Hochmittelalter wurden Schwerter prinzipiell von Adeligen getragen, da sie bis um 1300 die Hauptlast im Kampf übernehmen mussten. Zu dieser Zeit war das Schwert noch eine klassische Hiebwaffe, mit einer bis zum Ort (Spitze) hin relativ breiten und einer fast ebenfalls bis zum Ort reichenden Hohlkehle, versehenen Klinge (Bild 1 und 2) - wie man sie noch in den Darstellungen der Manessischen Liederhandschrift erkennen kann. 

Aufgrund einer Veränderung der Schutzbewaffnung durch die Einführung des Plattenrockes und dem schweren über der Beckenhaube getragenen Topfhelm war es kaum mehr möglich, mit einem klassischen Schwertstreich etwas auszurichten. Demnach musste man danach trachten, "offene Stellen" zu treffen bzw. zu durchstechen, wie z.B. in der Gegend der Achselhöhlen oder im Lendenbereich, wo es lediglich galt, das Kettengeflecht zu durchbohren. Zu diesem Zweck waren starre, spitze Klingen erforderlich, da dies mit einer durch die Hohlkehle extrem flexibel gewordenen Klinge eines Hiebschwertes nicht wirklich möglich war. So entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 14. Jhdt. eine der Form nach typische Waffe, bei der es sich zwar weiterhin um das ritterliche Schwert handelt, es wurde jedoch nicht mehr vorwiegend zum Hieb, sondern zum Stoß verwendet. (A. B.)

 


Literatur
: Waffen im Schweizerischen Landesmuseum Griffwaffen I (Hugo Schneider unter Mitarbeit von Karl Stüber)