Bewaffnung und Panzerung eines Ritters von 1280 - 1320 (erstellt von A. Bichler)
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Ritter bildeten sowohl einen Berufsstand als auch eine Gesellschaftsschicht. Sie verkörperten Kern- und Oberschicht einer Armee und nur sie galten als Krieger. Nicht nur Edelleute des niedrigen Adels, sondern sogar Kaiser und Könige waren zugleich auch Ritter. Das Markenzeichen des Rittertums war das Schwert, das im Rahmen eines Rituals - der Schwertleite und dem Ritterschlag - empfangen wurde. In der ersten Hälfte des 13. Jh. wandelte sich das äußere Erscheinungsbild eines Ritters dahingehend, dass neue Helmformen eingeführt wurden und über dem Ringpanzer trug man einen einfachen ärmellosen Waffenrock (mhd. wâpenroc). Da diese Helme den Kopf ihres Träger vollkommen umschlossen und deren Gesicht nicht mehr erkennbar war, wurde neben Fahnen und Bannern das Führen eines persönlichen Erkennungszeichens der Kämpfenden untereinander erforderlich. Farbige, auffallende und unterschiedlich gestaltete Zeichen wurden an weithin sichtbarer Stelle - dem Schild und in weiterer Folge auch am Waffenrock - angebracht. Das dargestellte steigende Einhorn - Symbol für Reinheit und Tapferkeit - verkörpert das Wappentier der Herren von Rundenstein.
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Ringpanzer und Plattenrock
| Die primäre Panzerung eines Ritters des 13. Jh. bildete der Haubert, ein aus vielen tausenden, untereinander vernieteten Eisenringen bestehendes Panzerhemd mit angesetzten Kettenfäustlingen und einer ebenfalls angesetzten, bzw. gegen Ende des Jahrhunderts separat verwendeten Kettenkapuze. Das Gewicht einer derartigen Rüstung lag bei etwa 12 bis 14 kg. Der Ringpanzer bot zwar ausreichenden Schutz gegen Schnitt- und Stichverletzungen aber schützte nur bedingt gegen Lanzenstöße und Hiebe mittels Schwert, Streitkolben, Axt oder Keule. Unter dem Panzerhemd wurde ein sogenannter Steppwams (mhd. wambis, frz. Gambeson oder Aketon) - ein mit Wolle/Filz oder Leinenlagen gepolstertes und abgestepptes, tunikaförmiges Kleidungsstück - getragen, um Schläge oder Hiebe entsprechend zu dämpfen. Zur Panzerung der Beine wurden eiserne Beinlinge (mhd. zwô îsenhosen) mit einem Gewicht von etwa 5 bis 6 kg verwendet, die in der Regel aus dem gleichen Ringgeflecht wie das Panzerhemd bestanden und das Bein völlig umschlossen. | Durch die Erhöhung der Durchschlagskraft von Armbrust und Bogen bildete der um die Mitte des 13. Jh aufkommende Plattenrock ebenso eine rüstungstechnische Neuerung, wie die in der Minneepik bereits um 1240 gemeinsam mit dem Ritterdolch erwähnten gepolsterten Oberschenkelröhren (mhd. senftenier) zum Schutz der Oberschenkel. Kaum sichtbar unter dem Waffenrock oder anstelle dieses getragen, sorgt der Plattenrock über dem Panzerhemd für zusätzlichen Schutz. Dabei wurde eine Reihe von Eisenplatten an der Innenseite eines Leinen- oder Lederüberwurfes bzw. einer Kombination aus beidem genietet, sodass lediglich die Nietenköpfe an der Außenseite sichtbar waren. Neben dem Senftenier traten gegen 1250 zudem bereits vereinzelt Arm- bzw. Beinschienen aus gehärtetem Leder oder Eisen hinzu. Unter dem Topfhelm trägt der dargestellte Ritter bereits eine vom Panzerhemd getrennte und lediglich aus dem deutschen Raum bekannte Kettenhaube mit rechteckigem Brust- und Rückenlatz, eine Frühform der Beckenhaube und Ailettes. Als Sekundärbewaffung dient ein Dolch. |
Detailansichten der Schutzausrüstung eines Ritters
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| Die Fäustlinge sind fest mit dem Panzerhemd verbunden und besitzen lederne Handinnenflächen. An der Innenseite des Handgelenks befand sich ein Querschlitz, der ein Abstreifen des Fäustlings ermöglichte. Zum besseren Halt werden sie im Bereich der Handgelenke mit Lederriemen verschnürt. | Die Kettenkapuze bzw. die dargestellte Kettenhaube besitzt den latzartigen, bis zur Nase reichenden Kinnschutz nicht mehr, der seitlich im Bereich der Schläfe fixiert werden konnte. Unter der Kettenhaube befindet sich eine eiserne Hirnhaube - den Vorgänger der Beckenhaube. |
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"Aufbinden" des Helms
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"Der Schenk von Limburg" aus dem "Codex Manesse"
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| Der Helm wurde vermutlich mit langen Lederriemen oder Seidenbändern am Kopf seinen Trägers festgebunden. Der Anprall einer Lanze konnte so stark sein, dass der Riemen sogar gesprengt wurde. | Bei den Ailettes handelte es sich um meist rechteckige Schulterschutzplatten, die meist mit dem Wappen ihres Trägers versehen waren. Sie waren so befestigt, dass sie sich dachziegelartig an die Außenseite des Oberarmes anlehnten, um vom Topfhelm abgeleitete Hiebe abzufangen und von den Schultern abzuleiten. Ihre hauptsächliche Verbreitung fanden sie vorwiegend in Westeuropa. Im deutschsprachigen Raum sind sie nur im Rheinland, und Hessen Westfalen anzutreffen - die einzige Ausnahme bildet das Siegel König Johann des Blinden von Böhmen (+1346) der allerdings ein mit dem frz. Königshaus verschwägerter Luxemburger war. |
Kettenbeinlinge (zwô îsenhosen) und Wams (wambis)
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Die Schnürung verläuft auf der Sohle des darunter liegenden Schuhs.
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| Der angelegte, aus vernieteten Eisenringen bestehende, Kettenbeinling - die îsenhose - wurde an einem separaten Gurt - dem Lendenier - über der Bruche befestigt. Zur Gewichtsentlastung diente ein zusätzlicher Lederriemen unterhalb des Knies. Das Kettengeflecht war im Bereich der Verse geöffnet und mit Lederriemen verschnürt, um den Beinling besser anlegen zu können. | Steppwams mit separatem Kragen (mhd. koller/ gollier) und Oberschenkelröhren. Als zusätzlicher Schutz des Oberschenkels werden gesteppte, gepolsterte Röhren dem Senftenier mit aufgenähten Kniekacheln aus Eisen, gehärtetem Leder oder Horn über die Beinlinge gezogen und ebenfalls an dem separaten Gurt befestigt. |
Kettenpanzer mit Wams und Senftenier
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Unter dem Rock sind die
einzelnen Schichten einer damaligen Rüstung deutlich erkennbar:
Das Gewicht der gesamten Schutzausrüstung eines Ritters bestehend aus:
dürfte etwa bei insgesamt 30kg gelegen haben.
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