|
Einleitend muss mit Bedauern gesagt werden, dass die Aufzeichnungen und
Unterlagen, welche wir über die ehemaligen Landherren in Puchberg haben,
relativ spärlich sind. Eine lückenlose Darstellung dieses Geschlechtes ist
ebensowenig möglich, wie die Erstellung eines Stammbaumes. Trotzdem soll im
folgenden Beitrag versucht werden einige dieser Persönlichkeiten zu nennen,
die vermutlich die Burg Puchberg bewohnten. Seit etwa 1166 ist das Ministerialengeschlecht der Puchberger
nachweisbar. Im "Reichersberger Saalbuch" wird erstmals ein Eberhard
von Puchberg genannt. Ob es sich hier jedoch bereits um das in
Puchberg am Schneeberg ansässige Geschlecht gehandelt hat, kann nicht mit
Sicherheit gesagt werden, denn neben Puchberg am Schneeberg wurde früher
auch Scheiblingkirchen bei Pitten (NÖ) "Puchberg in der Pittenau"
genannt. Handelte es sich dabei nun um zwei von einander verschiedene
Geschlechter oder um eine spätere Ansiedelung dieses Geschlechtes im
Puchberger Tal - es ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch ungewiss. Die
Puchberger waren jedenfalls bei Puchberg am Schneeberg und in
Nieder-Höflein (an der Hohen Wand) begütert und mit dem Geschlecht der
Losenheimer, welche die Burg Losenheim am Fuße des Schneebergs bewohnten,
verwandt. So dienen als Basis für die Darstellung der Herren von Puchberg
vor allem Urkunden, in denen auch eine Beziehung zu den Losenheimern
nachzuweisen ist.
| Das Wappen der Puchberger
- in nebenstehender Abbildung als Siegel dargestellt - ist ein offener,
goldener Adlerflug auf blauen Grund, welches neben einer grünen Buche
auf goldenem Grund auch heute noch einen Bestandteil des Puchberger
Gemeindewappens darstellt. |

|
 |
- 1230 wird erstmals ein Rüdiger von Puchberg
als Urkundenzeuge benannt.
- ab 1260 scheint mehrmals ein Eberhard von
Puchberg in Verbindung mit Rüdiger von Loseheim auf, dessen
Vetter er ist.
- 1261 überlässt Wulfing von Puchberg
eine Mühle bei Tribuswinkel dem Stift Heiligenkreuz. Er ist von 1261
bis 1313 als Siegler nachweisbar.
Betrachtet man in den folgenden Urkunden die Namen der Aussteller,
Siegler und Zeugen, so kann mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden,
dass es sich zumindest bei Eberhard von Puchberg um einen in diesem Tal ansässige Herren handelte. Ob das Geschlecht
der Puchberger über das beginnende 14. Jh. hinaus weiter bestand, vermag
gegenwärtig nicht gesagt zu werden.
Der vorhandenen Literatur ist eine Fülle von Namen zu entnehmen, bei
welchen allerdings nicht gesagt werden kann, ob sich diese auch tatsächlich
auf Puchberg am Schneeberg beziehen oder mit einen gleichnamigen Ort in
Zusammenhang stehen:
- 1281 vermacht eine Margaretha, Witwe von Puchberg mit ihrer
gleichnamigen Tochter dem Stift Lilienfeld für den Fall ihres Todes und
unter gewissen Bedingungen ein Haus in Krems und mehrer Hofstätten und
Weingärten. Sie wird in einer zweiten Urkunde von 1306 bereits als tot
bezeichnet.
- 1305 erscheint ein Ulrich von
Puchberg als Zeuge in einem Schenkungsbrief
aus demselben Jahr. Er war Kanonicus und Vicedomus der Passauer
Kirche.
- 1307
tritt ein Dietrich von Puchberg erstmals auf und erscheint ferner
noch in Verhandlungen in den Jahren 1312, 1318 und 1320.
Eine Federzeichnung aus dem "Liber Fundatorum Zwetlensis", der
sogenannten Zwettler Bärenhaut, entstanden um 1330, zeigt einen Stammbaum
der Puchberger - dieses Puchberg liegt jedoch im Waldviertel und steht mit
Puchberg am Schneeberg in keinerlei Zusammenhang.
Folgende Personen werden in diesem Stammbaum angeführt: Konrad von
Puchberg, Irnfried von Puchberg, Ulrich von Meurperg, Gertrud von Puchberg,
Rapoto von Schweiggers, Agnes von Puchberg, Albero von Puchberg, Elisabeth
von Puchberg, Wulfing von Puchberg, Kunigunde von Puchberg, Ulrich von
Puchberg, Dietrich von Puchberg. Die beiden letzteren dürften jene sein,
die 1305 und 1307 erstmals Erwähnung fanden und sind somit nicht mehr dem
obigen Geschlecht zuzuordnen.
1230
|

|
| 1230 wird erstmals ein Rudiger de puchperc
als Urkundenzeuge angeführt. Weiterer Zeuge ist, neben mehreren
anderen Herren, auch ein Colo de sneberc. (STUB II
267/Nr 269) |

ab 1260
Eberhard
von Puchberg
Eberhard von Puchberch und Rudiger von Losenheim werden 1260 als Zeugen
verlesen und als die Herren eines größeren Besitzes angegeben, als die
Witwe Helwigs von Reichenawe dem Reinbert von Chranchperch ihren Weinberg im
Stuppacher Gebirge verkauft.
|

|
Rudgerus de Losenhaim schenkt 1259 dem Stift Heiligenkreuz dritthalb Mansen (1 Mansen = 1
Bauernganzlehen, Bauernhaus mit 30 Joch) und zwei Gärten zu Hovelin
(Höflein an der Hohen Wand). Die vom Schenker über die Schenkung selbst
ausgestellte Urkunde ist jedoch erst von 1264. Darin bestimmt er unter
anderem, dass seine Kinder im Falle seines Ablebens vor deren Mündigkeit
keine Einwende gegen die Schenkung erheben dürfen. Eberhardus de Puchperch wird damit beauftragt, ihnen dies zur entspechender Zeit
zu erklären und sie von jeglicher Beeinträchtigung derselben abzuhalten.
Eberhardus de Puchperch scheint als Siegler auf, unter den Zeugen die
Erwähnung eines Pfarrers - Fridricus sacerdos plebanus de Puhperch
(vermutl. Puchberg in der Pittenau) und
Heinricus de Grossenperge (etwa nach dem gleichnamigen
Größenberg in Puchberg?) (Urkunde FRA II/11, 170/ S160) |
|

|
Am 3. September 1264 verzichtet Rudgerus de Losenhaim
auch über das Vogteirecht, welches er sich über die Höfleiner
Güter bis zu diesem Zeitpunkt vorbehalten hatte - weil er, wie er
unumwunden sagte, ihm die Heiligenkreuzer in diesem Punkt keine
Ruhe ließen. Unter den Zeugen scheint wieder Eberhardus de
Puhperch neben Reinpertus de Chranehperch und Heinricus
de Hovnvelde (Hainfeld) auf. (Urkunde FRA II/11, 171/ S161)
Eberhard findet sich auch ca
1275 unter jenen, die sich während des Zwischenreiches (Interregnum) landesfürstliches Gut angeeignet
hatten. Von einer Kommission, die König Ottokar deshalb angeordnet hat, wird
ihm nachgesagt, dass er den Wald zwischen der Sierning bei Ödenhof und
Rosenthal (südlich von Grünbach) widerrechtlich besitze.
|

Wulfing
von Puchberg
|

|
| Im Jahre 1261 überlässt Wulfing de puchperch eine Mühle
bei Tribuswinkel (Pol.Bez. Baden, NÖ), deren Eigentümer er war, dem Stift
Heiligenkreuz. Mit der Mühle hatte er eine Methildis de stechelnberg
belehnt. (Urkunde FRA II/11, 159/ S151)
In einer Urkunde um 1290 wird als Aussteller Wulfingus
de Puchperch genannt, dessen Zeuge ein Dominus de Scheuchenstein,
Pfarrer von Puchberg, war. (StLA Urk. 1391)
Wulfing dürfte kein kleiner Mann gewesen sein, da er
auf seiner Burg eigenes Verwaltungspersonal in Form eines Heinricus
castellanus und eines Eberhardus officialis
sitzen hatte. (StLA n. 1391, ca. 1290)
Eine tatsächliche Zuordnung zu Puchberg am Schneeberg vermag
allerdings nicht gemacht zu werden, zumal es sich hier um das/den
Buchberg bei Lilienfeld handeln dürfte.
|

Quellen u. Literatur:
Franz Schweickhardt Ritter von Sickingen, Darstellung des Erzherzogtums unter der
Ens, Wien 1832
Richard Müller, Blätter des Vereins für Landeskunde von
Niederösterreich, Wien 1868
A. Langer, Das Sierninggebiet, Wien 1887
F.Haas, Puchberg am Schneeberg, Puchberg a. Schnbg. 1912
Felix Halmer, Burgen und Schlösser im Raume Bucklige
Welt , Semering und Rax, Wien 1969
Ludwig Freidinger, Wappen das Adels, der Geistlichen und der Bürger in
Pittener Gebiet, im oberen Mürztal und in der Nordoststeiermark im
Mittelalter, Graz 1990.
Stift Heiligenkreuz, Urkundenbuch von Heiligenkreuz
Steirisches Landesarchiv, StUB Internetquellen:
Monasterium - das
virtuelle Urkundenarchiv Europas
|