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Die Habsburger - Österreichs Herren Ein zeitgeschichtlicher Überblick von 1273 bis 1322 (erstellt von A. Bichler)
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Das in vielfacher Beziehung einheitliche Gefüge der mittelalterlichen Welt
begann im 13. Jhdt. systematisch zu zerfallen. Der Alltag der Menschen wandelte
sich und wurde immer mehr von rechtlichen und wirtschaftlichen Bestimmungen
beeinflusst. Es folgte ein Erstarken der städtischen Lebensform und der
Geldwirtschaft. Parallel zu dieser Entwicklung ging die führende Stellung des
deutschen Reiches in Europa verloren. Die zentrale Reichsgewalt nördlich der
Alpen nahm zusehends ab und zerfiel schließlich. Dies führte sogar dazu, dass
zwei "Ausländer", Alfons X. von Kastilien und Richard von Cornwall,
zu deutschen Königen gewählt wurden.
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Knapp zwei Jahre später, erhält Wien von König Rudolf I. die alten Stadtrechte bestätigt und wird zum dritten mal zur freien Reichsstadt erhoben. Beinahe zur selben Zeit zieht der Böhmenkönig mit seinem Heer gegen Österreich. Am 26. August 1278 treffen bei den Orten Dürnkrut und Jedenspeigen die Heere Rudolfs I. und Przemysl Ottokars II. aufeinander. In drei Treffen zu jeweils zwei Gruppen kämpfen Österreicher, Steirer, Kärntner, Salzburger, Schwaben, Schweizer und König Ladislaus IV. von Ungarn auf der Seite des Habsburgers gegen ebenfalls drei Treffen aus Böhmen, Mähren, Thüringern, Meißnern, Bayern, Schlesiern, Sachsen und Polen. Die Heere beider Kontrahenten werden auf jeweils 30 000 Mann geschätzt. Gegen Mittag gelang Rudolf , dessen Ritter bereits deutlich geschwächt waren, die entscheidende Wende. Sechzig Ritter brachen in Form eines Keiles in die Flanke der Böhmen und spalteten deren Heer in zwei Teile. Dieser unerwartete und völlig überraschende Flankenangriff führte zu einer panikartigen Flucht des böhmischen Heeres - König Przemysl Ottokar II. wurde erschlagen - und die Verluste seines Heeres sollen bei 12 000 Mann gelegen haben. Ein Großteil war auf dem Schlachtfeld gefallen und viele waren beim Versuch über die March zu entkommen, ertrunken. Nach seinem Sieg zog Rudolf langsam nach Böhmen und nach einer bindenden Abmachung mit der Königinwitwe Kunigunde war der Konflikt zwischen beiden Königen Rudolf und Ottokar endgültig beendet. Somit gewann König Rudolf I. das Babenberger Erbe im Südosten des Reiches für sein Haus und verfügte dadurch über ein bedeutendes Machtmittel. Und als er dann auf dem Reichstag zu Augsburg, am 17. Dezember 1282, seine Söhne Albrecht und Rudolf "zur gemeinsamen Hand" mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark belehnte, hat er dem von den Babenberger Herzögen geschaffenen Fundament des modernen Staates Österreich die für die Zukunft lebensfähige politische Form gegeben.
Mit der Rheinfelder Hausordnung vom 1. Juni 1283 wird das erste habsburgische Hausgesetz beschlossen. Sie bestimmt Herzog Albrecht I. zum alleinigen Regenten in Österreich, der Steiermark, Krain und der windischen Mark. Somit endet die "Doppelregierung" von Albrecht I. und Rudolf II. wobei letzterer binnen vier Jahren mit Geld oder Land abgefunden werden soll - er stirbt allerdings 1290, ohne irgendeine Form der Abfindung erhalten zu haben. Dafür sollte sich sein Sohn Johann bitter rächen. Im Jahre 1287 lehnen sich Wiener Patrizier gegen Herzog Albrecht I. auf, da dieser die Reichsunmittelbarkeit der Stadt nicht bestätigte. Am 18. Februar 1288 müssen sich Richter, Bürgermeister, Ratsherren und die Bürgergemeinde von Wien verpflichten, Herzog Albrecht I. als rechtmäßigen Herrn anzuerkennen. Wien verzichtet feierlich auf die von König Rudolf I. ausgestellten Privilegien und wird somit wieder zur landesfürstlichen Stadt. Habsburgs erster König, Rudolf I., stirbt am 15. Juli 1291 im Alter von 73
Jahren auf dem Weg nach Speyer. Er verstand es mit starker Hand
durchzugreifen und die Macht des Königs wieder unter Beweis zu stellen. Eines
vermochte er allerdings nicht mehr: die Wahl seines Sohnes Albrecht als
Nachfolger im Reich zu sichern. In der 2. Hälfte des selben Jahres lehnte sich
der steirische Adel, dem sich auch die Kärntner anschließen, gegen Herzog
Albrecht auf. Ein Jahr später kommt es in Friesach (Kärnten) zu einem
Vergleich, der damalige Landeshauptmann Abt Heinrich II. von Admont wird
abgesetzt und der Adel erhält Zugeständnisse. Am 5. Mai 1295 wählen die deutschen Fürsten einstimmig Graf Adolf von Nassau zum Nachfolger des verstorbenen König Rudolfs I. Im September 1295 erhebt sich der österreichische Adel gegen die habsburgische Herrschaft, als ein Gerücht Herzog Albrechts Tod meldete. Der Adel war unzufrieden mit der Landespolitik Albrechts, dem eine Bevorzugung von Adeligen seiner Heimat (den Schwaben) vorgeworfen wird. Im Frühjahr 1296 erkennt der neue König Adolf von Nassau die Forderungen des österreichischen Adels an, wobei er zusätzlich von König Wenzel II. von Böhmen und und Erzbischof Konrad IV. von Salzburg unterstützt wird. Bereits ein Jahr später söhnt sich Albrecht I. mit Bayern, Böhmen und Salzburg aus, was zur unmittelbaren Niederschlagung des Adelaufstandes führt. Im Februar 1298 beschließt eine Fürstenversammlung in Wien die Absetzung König Adolfs von Nassau und die Wahl von Herzog Albrecht I. zum neuen König. Am 23. Juni 1298 wird Adolf von Nassau auf der Kurfürstenversammlung in Mainz wegen Kirchenfrevel, Rechtsverweigerung, Eidbruch, Unfriedenstiftung sowie Bedrückung der Kirche und der Fürsten abgesetzt.
Drei Jahre später zieht König Albrecht I. das nach der Ermordung von König Wenzel III. ledig gewordene Reichslehen Böhmen und Mähren ein. Er verleiht es seinem ältesten Sohn, Herzog Rudolf III. von Österreich und der Steiermark, der seine Herzogtümer an seine Brüder Friedrich I., dem Schönen und Leopold I. weitergibt. Am 16. September 1306 wird Rudolf III. zum König von Böhmen gekrönt - er stirbt jedoch am 15. August 1307 unerwartet. An der Reuß bei Brugg, nahe der habsburgischen Stammburg wird der 53jährige König Albrecht I. am 1. Mai 1308 von seinem Neffen Johann ermordet. Der etwa 18jährige Johann "Parricida" (Verwandtenmörder) ist der Sohn Herzog Rudolfs II., der nach den Bestimmungen der Rheinfelder Hausordnung von der Regentschaft ausgeschlossen wurde und niemals eine Abfindung erhielt.
Sechs Monate später wird Graf Heinrich VII. von Luxemburg zum neuen König gewählt. Erneut hatten sich die Fürsten für ein anderes Geschlecht entschieden, um die Vormachtstellung der Habsburger im Reich zu verhindern. Nach knapp einem Jahr kommt es in Speyer zum Vergleich zwischen dem neugewählten König Heinrich VII. und den Söhnen des verstorbenen König Albrechts. Herzog Friedrich I. der Schöne und sein Bruder Leopold I. werden erneut mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark belehnt. Während die Habsburger mit der Verfolgung der Mörder ihres Vaters beschäftigt sind, nutzt der Wittelsbacher Herzog Otto III. von Niederbayern, deren Abwesenheit aus, um den österreichischen Landadel zu einem Aufstand gegen die Habsburger zu bewegen. Der Großteil der Wiener Einwohner bleibt jedoch seinen Herzögen Treu und schlägt die antihabsburgische Bewegung in der Stadt nieder. Doch die Weinberge der Umgebung Wiens bleiben vom Landadel nicht verschont und werden verwüstet. Die ebenfalls herzogstreu gebliebenen Steirer, unter ihrem Landeshauptmann Ulich von Walsee, greifen schließlich ein und stellen die Ruhe und Ordnung im Herzogtum wieder her. Im Jänner 1310 hält Herzog Friedrich I. der Schöne, ein strenges Strafgericht gegen die Anführer des Adelsaufstandes und sein Bruder Leopold I. in den Vorlanden gegen die Mörder ihres Vaters. Am 29. Juni 1312 wird nach 62 Jahren wieder ein Deutscher in Rom zum Kaiser gekrönt - Heinrich VII. lässt sich im Lateran von zwei Kardinälen krönen, da Papst Klemens V. bereits 1309 nach Avignon übersiedelt ist. Nach dem Tod des Wittelsbachers Herzog Otto III. von Niederbayern kommt es wegen dessen festgelegter Vormundschaft für seinen Sohn Heinrich, sowie seine Neffen zu Zwistigkeiten, da sein Vetter Ludwig I. von Oberbayern damit betraut wurde. Der Niederbayrische Adel fühlte sich dadurch in seinen Rechten geschmälert und rief die Habsburger um Hilfe. Im Herbst 1313 erreicht der Streit zwischen den Habsburgern und den Wittelsbachern ihren Höhepunkt. In der Schlacht bei Gammelsdorf (Bayern) erleidet das Heer Herzog Friedrich I. des Schönen, eine Niederlage gegen die Truppen Herzog Ludwigs IV. von Oberbayern. Der Streit um die Vormundschaft ist der Auftakt zu den Thronstreitigkeiten zwischen Habsburgern und Wittelsbachern ab dem Jahre 1314. Im Jänner dieses Jahres überfallen die Schwyzer das unter habsburgischem Schutz stehende Kloster Einsiedeln - damit beginnt der offene Konflikt zwischen Habsburgern und den seit 1291 verbündeten Schweizern.
Im Jahre 1314 gibt es erneut eine Königsdoppelwahl im Reich. Es kommt zwischen Friedrich I. von Habsburg und Herzog Ludwig IV. von Oberbayern zum Streit um die Königskrone.
Literatur: Krieger Karl-Friedrich, Die Habsburger im Mittelalter, Von
Rudolf I. bis Friedrich III., Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1994.
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