Burgen und Burgstellen im Puchberger Tal (Erstellt von A. Bichler)
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Nach derzeitigem Stand dürften sich im Mittelalter insgesamt vier Burgen
im Puchberger Tal befunden haben. Die älteste unter ihnen, die Burg
Stolzenwörth, ist schon lange abgekommen, ebenso die vermutete Anlage
auf dem Romaikogel. Spärliche Reste finden sich noch von der Burg
Losenheim.
Die Jahrhunderte am besten überdauert hat die Burg Puchberg, welche in
diesem Artikel nur kurz angesprochen werden soll, zumal es auf dieser
Homepage ohnehin einen eigenen Artikel über die Burgruine und ihre
Sanierung, sowie über die Herren von Puchberg
gibt.
Burgstelle Stolzenwörth Die ältere Literatur des 19. und 20. Jh. nahm an, dass sich auf dem Romaikogel, einem kleinen Hügel im heutigen Ortsgebiet von Puchberg am Schneeberg, die Burg Stolzenwörth befand. Jüngste Untersuchungen lassen zwar die Existenz einer Anlage auf dem Romaikogel zu, sprechen dieser allerdings den Namen Stolzenwörth ab. Tatsächlich dürfte die Burgstelle Stolzenwörth auf dem „Hausstein“ liegen.
Der Hausstein in der Katastralgemeinde Stolzenwörth, deren Name auf die gleichnamige Herrschaft zurückzuführen ist, ist ein kleiner Felsstock an der Grenze zur Ortsgemeinde Grünbach nordwestlich der Klaus am Grünbacher Sattel. In den späten 1950er Jahren führte Franz Hampel am Fuße des Haussteins eine Testgrabung durch, welche anstelle vermuteter früh- und hochmittelalterlicher Verhüttungsanlagen, eine stark gestörte neolithische Kulturschicht sowie ein hochmittelalterliches Hüttenfragment samt neolithischem und mittelalterlichem Material hervor brachte.[1] Seit der 1959 durchgeführten Grabung sind immer wieder Metallfunde und Keramik zutage getreten, welchen einen Zeitraum vom 10./11. Jh. bis zum 12. Jh. abdecken, so dass eine zeitliche Einordnung in das 11. und 12. Jh. als gesichert gelten kann.[2] Somit lässt sich als einzige Befestigungsanlage vor 1100 der Hausstein als Sitz der Herren von Stolzenwörth/Grünbach im Puchberger Talkessel belegen. Diese ungewöhnlich frühe Gründung kann unter Umständen mit der Lage an einem Altweg, der das Wiener Becken mit dem inneralpinen und Mariazeller Raum verband, in Verbindung gebracht werden. [3] Herrschaft Stolzenwörth - historische Darstellung Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt um 1180 mit einem Heinricus de Stolzenwerde, wobei das Geschlecht der Stolzenwörther weder in Babenbergischen Urkunden noch in Urkunden der Salzburger Erzbischöfe genannt wird. Aus einem Lehensbrief der Nürnberger Burggrafen vom 16. November 1298 an „Ulrichen von Perigow“ als Ehemann der „Hedwich von Stolzenberd“, über Stolzenwörth und allem was dazu gehört, ergibt sich, dass es sich bereits um ein Lehen handelte. Vom Pergauischen Geschlecht ging die Herrschaft an die Hohenfelder über, wechselte dann gemeinsam mit den Burgen Schrattenstein und Rothengrub an die Ebersdorfer, weiters an die Pögeler und dann an die Scharfenberger, bis sie schließlich mittels Kaufbrief vom 23. Mai 1556 an die Familie Hoyos gelangte.[4]
Burgruine Losenheim Die spärlich erhaltenen Reste der Burg Losenheim liegen auf einem
isolierten Felssporn nördlich der Rotte Losenheim, etwa 5 km vom Puchberg am
Schneeberg entfernt. Aufgrund der ausgesetzten Lage und vermutlich wegen der
frühen Aufgabe der Burg als Herrschaftssitz waren ursprünglich nur noch
bescheidene Mauerreste zu sehen. Diese sind mittlerweile in ein Ensemble
umfangreicher Wiederherstellungsarbeiten eingebunden, da die gesamte Anlage
seit den 1990er Jahren von privater Hand rekonstruiert wird.
Herrschaft Losenheim - historische Darstellung Zu Beginn des 13. Jh. tauchen die Gleißenfeld-Puchberger (aus dem Raum Gleißenfeld/Scheiblingkirchen - vormals Puchberg - in der Buckligen Welt) im Puchberger Talkessel mit der Errichtung der Burgen Puchberg, Losenheim und einer weiteren Anlage auf dem Romaikogel herrschaftsbildend auf. [6] Die Losenheimer führen einen silbernen Wolfsrumpf mit roter Zunge auf schwarzem Grund in ihren Wappen.[7]
Urkundlich ist das Geschlecht der Losenheimer vom 13. bis zum 14. Jh.
nachweisbar, so werden 1220 ein Wulfing von Losenheim sowie 1222 und
1225 ein Dietmar von Losenheim erwähnt. Sie gehörten nach dem
Aussterben der steirischen Otakare seit ca 1200 zum Dienstadel des
Babenberger Herzogs Leopold VI.
Burgruine Puchberg Die noch heute in Privatbesitz befindliche Burgruine Puchberg wurde Anfang des 13. Jh. erbaut und zählt zu den Wahrzeichen des Ortes. Noch im frühen 20. Jh. bildete sie gemeinsam mit der Kirche das Zentrum des Ortes. Historische Daten zur Burg samt der Herrschaft Puchberg sind sehr spärlich und geben kaum Hinweise auf ihre Besitzer, zumal meist eine Verwechslung mit der Herrschaft Puchberg (Buchberg) am Kamp besteht. Bislang galt als erster Puchberger ein Rüdiger de Puchperc, der in einer Urkunde von 1230 als Zeuge aufscheint. Ob dieser mit bereits mit Puchberg am Schneeberg zu tun hat, lässt sich nur vermuten. Als gesichert kann zumindest der in den 1260er Jahren in Schriftquellen auftauchende Eberhard von Puchberg gelten. Ihm ist auch ein näheres Verhältnis zu den Losenheimern nachzuweisen, zumal er "als vom Onkel väterlicherseits abstammend" bezeichnet wird, was ihn mit Rüdiger von Puchberg in Verbindung bringen ließe, dessen Sohn er demzufolge wäre. Die folgende Zeit ist nicht erschließbar allerdings dürfte die Burg wohl nach 1357 an die Stüchse von Trautmannsdorf gekommen sein, wurde 1381 landesfürstlich, kam dann an Johann von Liechtenstein und fiel nach dessen Sturz 1395 wieder an den Landesfürsten zurück. Ab 1500 scheint die Herrschaft Puchberg in den urbarialen Aufzeichnungen der Herrschaft Stixenstein auf. 1547 löste Hans von Hoyos die Pfandherrschaft über Stixenstein ein und übernahm am 15. Oktober 1549 den Besitz mit "aller Zugehörung".[10]
Wie bereits unter der
Burgstelle Stolzenwörth ausgeführt, wurde bislang angenommen, dass sich die
gleichnamige Burg auf dem Romaikogel befunden haben soll. Zu bemerken ist, dass sowohl der Romaikogel als auch der Hausstein in der Katastralgemeinde Stolzenwörth liegt. Ersterer allerdings am westlichen Fuße des Himbergs, unmittelbar im heutigen Zentrum von Puchberg am Schneeberg und nur einige hundert Meter von der Burgruine Puchberg entfernt. Der Historiker Maximilian Weltin setzt die Burgstelle auf dem Romaikogel mit der Herrschaftsbildung der Gleißenfeld/Pucherger im Puchberger Tal in Verbindung.[11] Von Menschenhand hinterlassene Bearbeitungsspuren an Steinen, sowie eine größere Ansammlung von Bruchsteinen an der Ostseite des Hügels, lassen zwar auf eine Bautätigkeit auf dem sattelförmigen, kleinen Plateau schließen, allerdings sind bislang keinerlei archäologische Fund bekannt, welche diese - auch im Hinblick auf eine erfolgte Besiedelung im Hochmittelalter untermauern.
[1] Falco Daim, Elisabeth Ruttaky: Die Grabungen von Franz Hampel am ''Hausstein'' bei Grünbach am Schneeberg, Niederösterreich, in: Archaeologia Austriaca, 65 / 1981, S. 35-51 [2] Karin Kühtreiber, Die hochmittelalterliche Keramik im südöstlichen Niederösterreich, in: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 22 / 2006, S. 101. [3] Thomas Kühtreiber: Ein spätmittelalterlicher Steigbügel von der ''Römerstraße''/Weinfurt, Gem. Schwarzau/Gebirge, Niederösterreich, in: Beiträge zur Mittelalterarchäologie Österreichs, Beiheft 6 / 2003, S. 237. [4] Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge, II. Jahrgang 1868, S. 182. [5] Karin Kühtreiber, Die hochmittelalterliche Keramik im südöstlichen Niederösterreich, in: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 22 /2006, S. 93ff. [6] Max Weltin in: Wehrbauten und Adelssitze Niederösterreichs. Das Viertel unter dem Wienerwald. Bd. 2, NÖ Institut für Landeskunde, St. Pölten, 2003. [7] Ludwig Freidinger, Wappen das Adels, der Geistlichen und der Bürger in Pittener Gebiet, im oberen Mürztal und in der Nordoststeiermark im Mittelalter, Graz 1990, S. 208. [8] Richard Müller in: Unsere Heimat, Jahrgang 1889, S. 194 ff. [9] wie Anm.7, S. 209-210. [10] Markus Jeitler, Puchberg am Schneeberg - Historische Darstellung, in: Burgruine Puchberg am Schneeberg – Bauhistorische Analyse und Sanierung, Burgverein Puchberg, Puchberg, 2006, S. 15ff. |
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| [11] wie Anm. 6 | ||||||