Bestandteile und Zubehör einer Armbrust
Die frühen Bogen bestanden aus Holz. Erste schriftliche
Erwähnungen von Hornbogen finden sich im frühen 13. Jh. Ab dem 14. Jh.
hält der Stahlbogen seinen Einzug in die Waffentechnik, dem der Hornbogen
allerdings in seiner Leistung nicht unterlegen war. Dieser Hornbogen bestand
üblicherweise aus
einer Kombination von Hornstreifen und Sehnen und war leichter,
elastischer und kraftvoller als die Eiben- oder Eschenholzbogen früherer
Exemplare. Den Kern bildete ein massiver, verleimter Block aus mehreren
Hornstreifen bzw. Hornplatten
fallweise wurde dieser auch noch mit Holz verstärkt. Die
erforderliche Elastizität und Schnellkraft erhielt der Bogen durch einen
dicken Belag aus Tiersehnen. Der gesamte Bogen wurde anschließend
zum Schutz vor Feuchtigkeit mit Pergament oder Leder und im
Spätmittelalter auch mit Birkenrinde ummantelt.
Eines der Hauptprobleme des Hornbogens war
seine Witterungsanfälligkeit - am meisten konnten ihm Regen und
Feuchtigkeit zusetzen, was zu einer Verminderung dessen Schnellkraft
führte. Der Stahlbogen wiederum drohte bei niedrigen Temperaturen zu
brechen.
Die Sehne bestand aus gewachstem Garn, das man mehrmals um zwei Holzdorne wickelte und anschließend in einer aufwendigen Technik verdrillte bzw. verknotete.
![]() Der Bogen wurde lediglich mit Hanfseilen - dem Einbund - an der Säule befestigt, wobei zusätzlich noch ein eiserner Steigbügel (Stegreif) mit eingebunden war. |
![]() Verschiedene Produktionsschritte bei der Herstellung einer Sehne
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Um die Reibung der Sehne an der Armbrustsäule so gering wie möglich zu halten, besaßen die meisten Armbrüste eine Auflage aus Bein oder Geweih, welche in weiterer Folge über die gesamte Säule führte und durch zusätzliche Zierelemente ergänzt wurde.
Ein wichtiges Konstruktionselement
der Armbrust war die Nuss, welche meist aus Hirschgeweih bestand. Sie war zwischen dem vorderen und
hinteren Lagerblock im Schaft frei gelagert (freispielend oder
freischwebend) und
wurde in letzterem Fall lediglich durch den Nussfaden vor dem Herausfallen gesichert. Damit das
Geweih im Bereich der Spannraste nicht
ausbrechen konnte, wurde es durch einen Eisenbolzen verstärkt.
Um den eingelegten Bolzen nicht zu
verlieren, klemmte der Schütze ihn mit seinem hinteren Ende zwischen die
beiden Klauen der Nuss (Nussfinger), wodurch auch Schüsse nach unten möglich
waren. Betätigte der Schütze nun den
Drücker bzw. den Abzug, so wurde die Nuss freigegeben und die Sehne
schnellte nach vor.
![]() Nuss mit Nussfaden und Lagerblöcken aus Hirschgeweih |
![]() Abzugstange bzw. Drücker |
Die in diesem Artikel beschriebene Armbrust wurde im Stehen gespannt. Um einen Bogen mit 130 kg zu spannen, erfordert es allerdings eines Hilfsmittels - des Spannhakens. Dieser konnte eine - oder wie das gezeigte Stück nach einem Fund bei Madeln (Schweiz) - zwei Sehnenklauen bzw. Finger haben. Der Vorteil einer Doppelklaue liegt darin, dass das Zuggewicht gleichmäßig auf Sehne und Bogen verteilt wird. Entweder hakte der Schütze die Sehne in den am Spanngürtel befestigten Spannhaken ein, ging dabei in die Knie, steckte den Fuß in den Steigbügel und stand wieder auf, oder er hob den Fuß an, trat dann in den Steigbügel und streckte den Fuß aus.
Spanngürtel mit Haken |
![]() Spannvorgang |
Der typische Kriegsbolzen hatten eine durchschnittliche Länge von etwa 39cm und bestand aus einem Holzschaft - dem Zain und einer meist rhombischen, 60 bis 80mm langen eisernen Bolzenspitze. Am hinteren Ende wies er zur Stabilisierung der Flugbahn Federn auf, die entweder aus Holz oder Pergament und fallweise auch aus Gänse- oder Schwanenfedern sein konnten. Das Gewicht des Schaftes entsprach etwa dem Gewicht der Bolzenspitze, um optimale Flugeigenschaften zu erhalten, musste der Schwerpunkt im vorderen Drittel des Bolzens liegen.
Transportiert wurden die Bolzen mit der Spitze nach oben in einem hölzernen, mit Leder, Rohhaut oder Fell überzogenem Köcher.
