Die Einfußarmbrust um 1300...von Andreas Bichler

 

Im frühen 12. Jh. war die Konstruktion der Armbrust so weit fortgeschritten, dass sie in den europäischen Armeen zur populären Waffe wurde. Ihre Verletzungen waren jedoch so grauenhaft, als das sie "durch Gott verhasst und für Christen als unpassend" bezeichnet von Papst Innozenz III. verboten wurde. 

Die Armbrust hielt erst um 1200 wieder ihren Einzug in die Kriegsführung. Für mehr als 250 Jahre (1200 bis 1460) war die Armbrust in West- und Mitteleuropa die dominierende Schusswaffe gegenüber dem Bogen. Neben der höheren Zielgenauigkeit und der größeren Durchschlagskraft bestand ein weiterer Vorteil gegenüber dem Bogen darin, dass man sie im gespannten Zustand für gezielte Schüsse bereithalten konnte. Zudem war die Handhabung einer Armbrust im Vergleich zum Bogen relativ leicht erlernbar. Beim direkten Schuss auf kurze Distanz wurde der Schaft auf der Schulter aufgelegt, beim Weitschuss wurde er unter den Oberarm geklemmt.  Ein eindeutiger Nachteil war jedoch die relativ geringe Schussfolge von etwa zwei Schüssen pro Minute, hingegen war ein Langbogenschütze in der Lage bis zu sechs gezielte Schüsse in der Minute abzugeben. Die durchschnittliche Schussweite einer derartigen Armbrust betrug 1435 etwa 333m, ein gezielter Schuss war bis etwa 80 bzw. 90m möglich.


Einfussarmbrusten mit Hornkompositbögen. Die Zuggewichte variieren von 80 bis 280kg (Alle Stücke: A. Bichler)

 

Besehnter Bogen Nuss Spanngurt Köcher mit Bolzen

Bestandteile einer Armbrust und Zubehör:

  Für Detailansichten und Beschreibungen auf den jeweiligen Gegenstand im Bild klicken

Die in diesem Artikel dargestellte Armbrust ist voll funktionsfähig und entspricht einer Rekonstruktion aufgrund von entsprechenden Bildquellen und erhaltenen Exemplaren des 15. Jh.. Die Zugkraft zum Spannen des abgebildeten Hornkompositbogens erfordert etwa 170 kg. 

Die Wirkung dieser Fernwaffe im Zusammenhang mit verschiedenen Panzerungen wird in einem Beschusstest dargelegt.

 

Literatur:

Harmuth Egon, Die Armbrust, Akad. Dr.- u. Verl.-Anst., Graz 1975.
Payne-Gallwey, The Book of the Crossbow, Dover Publications Inc., New York 1995.
Cockerell Sidney C., Old Testament Miniatures, A Medieval Picturebook with 283 Paintings From The Creation to The Story of David, Phaidon Press Limited, London o.J.
Walther Ingo F., Siebert Gisela, Codex Manesse, Die Miniaturen der Großen Heidelberger Liederhandschrift, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1989.