Kleidung und Ausstattung des niederen Adels von 1280 - 1320 (erstellt von A. Bichler)

Die Gesellschaft des Mittelalters war pyramidenförmig organisiert:
  • Der Landesherr stand an der Spitze, darunter die Lehnsmannen und ihnen zur Seite die hohe Geistlichkeit.
  • Die nächste Stufe bildeten der niedere Adel, die Einschildritter und der niedere Klerus.
  • Eine Stufe darunter standen die Handwerker, einfache Bürger und Bauern.

 

Als Adel wurde eine Reihe bevorrechteter Familien oder Sippen bezeichnet, die ihre Vormachtstellung durch das Geburtsrecht weitergaben. Das Kennzeichen des Adels  war nicht der Reichtum sondern die Teilnahme an der Macht, wo er in der mittelalterlichen Gesellschaft für lange Zeit das Herrschafts- und Verwaltungsmonopol besaß. Der Niederadel oder Ritteradel aus dem 13. Jh. entstammt - im Gegensatz Hochadel - überwiegend aus der in Verwaltungs-, Hof-, und Kriegsdienst beschäftigten Ministerialität.

Prinzipiell waren die Unterschiede in der Kleidung von niederen Adeligen und wohlhabenden Bürgern relativ gering. Die Art der Kleidungsstücke war generell gleich, lediglich Stoffe und deren Farben sowie einzelnen Bestandteile, wie Gürtel, Schmuck oder Schuhe konnten von höherer Qualität bzw. Exklusivität sein. 

 Zudem war es nur dem Adel vorbehalten - als Zeichen von Rang - Fingerhandschuhe zu tragen. Während bei den unteren Bevölkerungsschichten die Kleidung lediglich ein Schutz vor der Witterung war, stellte die Kleidung der gehobenen Stände ein Mittel zur Repräsentation dar. Das Schwert mit dem umschlungenen Schwertgurt aus Wildleder wird als Zeichen des Standes am Arm mitgeführt.

 

Bekleidung des Mannes

Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich die alltägliche Kleidung von niederen Adeligen und wohlhabenden Bürgern kaum. Die Verwendung von Unterhemd und Bruche sind ebenso Standard, wie Beinlinge, Bundhaube, Filzhut oder Gugel. 

Der Adelige trägt einen grünen  mit feinem, roten Wolltuch  gefütterten  Rock aus Wollstoff. Schlitze an der Vorder- und Rückseite sowie an den Seiten eingesetzte Stoffkeile, sogenannte Geren erhöhen zusätzlich die Bewegungsfreiheit und ermöglichen auch das Reiten. Charakteristisch sind der aufwendige Gürtel mit  Beschlägen und Gürtelsteckern aus Buntmetall, an dem der verzierte und bestickte Almosenbeutel oder die Gürteltasche sowie das Essmesser befestigt wurden. Der Gürtel erreichte meist eine Länge, bei der der Endbeschlag bis zu den Knien langte. Als Seitenwaffe dienten Dolchmesser oder Dolchbesteck.

Der typische Mantel des 13. Jh. ist der sogenannte Schnur- oder Tasselmantel. Er wurde halbkreisförmig geschnitten, mit Stoff oder Pelz gefüttert und mit Schnüren gehalten. Zwei Schnüre wurden meist von der Mantelinnenseite durch Nestellöcher nach Außen geführt - und am Ende verknotet. Eventuell vorhandenen Tasselscheiben verdeckten vermutlich vorerst nur diese Nestellöcher. Wollte man den Mantel völlig verschließen, so zog man die beiden Schüre zusammen und verknotete sie. Erst später verwendete man eine einzelne Tasselschnur um die beiden Scheiben zu verbinden. Das Einhängen eines Fingers in die besagte Schnur galt als besonders schicklich.

 

Kleidung der Frau
Das Unterkleid bestand aus feinem Leinen oder Seide und war für lange Zeit das einzige Untergewand der Frau. Darüber trug man ein Kleid, das sich  mit seitlichen, bzw. vorne und hinten eingesetzten Geren entweder gegürtet oder ungegürtet darstellte. Dem Ideal der eng anliegenden Ärmel wurde durch Knopfreihen an den Unterarmen entsprochen, welche aus Metall oder Stoff sein konnten. Der Halsausschnitt wurde mit einer Fibel oder wie in diesem Fall einem Fürspan aus Silber in Form zweier Vögel verschlossen, allerdings kämen auch hier bereits Knöpfe in Frage. Am Gürtel, mit kunstvoll verzierten Beschlägen aus Buntmetall, wird der bestickte Almosenbeutel mitgeführt - der einzigen Möglichkeit die persönlichen Utensilien zu verwahren. 

Die Frisurkunst war hoch entwickelt, man salbte das Haar und drehte es zu kunstvollen Locken auf. Häufig benutze man falsches Haar, trug hochgebundene in Netze gefasste oder herabhängende geflochtene Zöpfe. Schapel und Gebende waren die am weitest verbreiteten Kopfbedeckungen dieser Zeit, da das Tragen einer solchen eine grundsätzliche Regel war - lediglich Mädchen und unverheiratete Frauen durften das Haar unbedeckt tragen. Zumindest ein Schleier oder ein Haarnetz - meist in Verbindung mit einem Schapel - wurden verwendet. Eine weitere Art der Kopfbedeckung stellte auch die abgebildete Haube aus Villach/Kärnten in Kombination mit dem Schleier dar. Sie war aufwendig bestickt und mit Medaillons aus Pressblech besetzt.

Die Schuhe aus weichem Ziegenleder ähnelten jenen der Männer, wurden mittels Schnallen, Knebeln oder Bändern verschlossen und konnten Punzierungen oder Durchbruchsarbeiten im Oberleder aufweisen.